#57 “Ich habe KEINE Zeit” gibt es nicht


Wie oft sagst du es?

Ich habe diesen Satz früher definitiv viel zu oft gesagt.

Zum einen, weil ich in einem falschen Glaubenssatz gefangen war.
Zum anderen, weil ich wirklich keine Zeit mehr übrig hatte.
Und zum dritten, weil ich nicht verstanden habe, wie ich mit Zeit überhaupt umgehe.

Und deswegen war ich ganz oft der Mensch, der eben “keine Zeit” hatte. Und fand das nicht nur gut so, sondern auch normal. Gleichzeitig merkte ich dann immer mehr, wie erschöpfend es war und mit der Zeit kam mir das immer unlogischer rüber. Wie kann ich denn keine Zeit haben? Wieso habe ich keine Zeit? Was läuft denn in meinem Kalender falsch?

Irgendwann kam das ernüchternde Erkenntnis bei mir, dass ich mehr als genug Zeit habe, aber nicht richtig damit wirtschafte.
Keine Zeit für Sport, aber genug Zeit für Netflix?
Keine Zeit, um sich eine Pause zu gönnen, aber genug Zeit für social media?
Keine Zeit, um in Ruhe zu essen, aber genug Zeit für Shopping?

Wir bestimmen selbst über unsere Zeit. Punkt. Das ist aber so wie mit jeder Entscheidung in unserem Leben – das ist die Freiheit aber auch die Verantwortung. Wir sind dafür verantwortlich, wenn wir sagen “ich habe keine Zeit”, weil wir etwas anderes dazwischen geschoben haben. Meiner Meinung nach gibt es nur “Ich habe keine Zeit DAFÜR”. Das trifft wirklich zu.

Sicherlich gibt es auch Situationen, wo man keine Kontrolle über die Zeit hat, zum Beispiel, wenn man auf Arbeit ist, hat man definitiv keine Zeit in dem Moment mit Freunden auszugehen. Oder wenn der Partner oder ein Familienmitglied krank ist und wir sie unterstützen müssen: Das ist auch klar, dass wir da nicht feiern gehen können. Aber in der Regel, müssen wir das “Ich habe keine Zeit” ergänzen mit DAFÜR.

Ich habe keine Zeit für Sport. Warum nicht? Was ist wichtiger?
Ich habe keine Zeit für eine Pause. Wieso? Warum bist du nicht wichtig genug?
Ich habe keine Zeit, ohne Ablenkung zu essen? Warum? Ist der andere Bereich, den du grad bedienst wirklich wichtiger?

Manchmal schieben wir so Dinge einfach auf. Manchmal trauen wir uns nicht, etwas zu machen. Manchmal ist es auch nur eine Gewohnheit, in der wir gerade stecken. Es gibt unzählige Gründe, warum wir etwas tun oder nicht tun. Aber die Zeit ist da und wir entscheiden uns, was wir damit machen. Sicherlich spielt heutzutage auch unser Lebensstil eine Rolle, warum man sich manchmal fühlt, also ob nicht genug Zeit da wäre. Die Welt ist non-stop aktiv. Durch das Internet kann man rund um die Uhr irgendwas tun, und man bekommt auch manchmal Angst, etwas zu verpassen. Aber wir können nicht alles immer machen, sehen, haben, erledigen… das ist einfach nicht realistisch. Und wir leiden manchmal unter diesen unrealistischen Vorstellungen, so sehr sogar dass es uns krank macht!

Es geht einfach bei der ganzen Zeit-Sache um Prioritäten. Wir entscheiden wie wir unsere Zeit verteilen und was wir mit unserer Zeit so machen. Und auch wenn wir zum Beispiel viel arbeiten (was wiederum auch eine Entscheidung ist), dann haben wir abends und am Wochenende trotzdem ein gewisses Kontingent an Zeit und da geht’s eben los. Wenn man bewusst entscheidet, dann wird es einem auch klar, dass wir unsere Zeit steuern. Und ich sage auch nicht, dass die Zeit immer nur produktiv sein muss, nur gut durchdacht, auf gar keinen Fall! Wir dürfen auch nichts tun, oder auch unsere Zeit “verschwenden” aber dann sollte es uns klar sein, dass wir das nicht mehr bringen können, den Satz “Ich habe keine Zeit”, denn die Zeit war da. Es geht einfach um Prioritäten, was ist wichtig für mich, wofür will ich meine Zeit investieren, was tut mir gut, und natürlich auch – was ist nötig.

Ich bin viel besser mit meinem Zeitmanagement geworden. Und es gibt immer noch genug Tage wo ich gern mehr Zeit hätte, aber ich weiss, dass ich mit der Zeit die ich habe vorsichtig und achtsam umgehen muss, und dann stimmt es auch.

Ich habe unter anderem verstanden, dass ich nicht alles immer machen kann. Ich bin immer so ehrgeizig und motiviert, will gleich alle Bäume der Welt ausreissen aber das durfte ich dann schnell lernen: Es geht nicht immer. Nicht weil ich keine Zeit habe, sondern weil ich mit meiner Zeit auch andere Dinge machen muss:Selbstversorge
Alltägliche Aufgaben
Arbeit
Entspannung
Freunde und Familie
und so weiter.

Mir hat es geholfen, zu verinnerlichen, dass ich über meine Zeit selbst bestimme und auch meinen Zeitplan durch die Perspektive von Prioritäten zu sehen. Ist es wichtig, noch eine Serie zu schauen oder zu schlafen? Ist es wichtig, auszugehen oder zu Hause aufzuräumen. Und: Diese Prioritäten können sich immer verändern. Mal sehe ich das Aufräumen vielleicht wichtiger, mal ist aber das Ausgehen, was mir mehr Kraft gibt. Ich darf frei entscheiden.

Wenn du der Meinung bist, du hast keine Zeit, dann schreib dir ganz genau auf, was du am Tag so machst. Mach das zumindest 1-2 Wochen, sodass du auch bestimmte Muster erkennen kannst. Und dann werte es aus… Du wirst bald sehen: Du hast genau so viel Zeit, wie jeder andere und du hast genug Zeit für all das, was du so am Tag machst. Nur sind das die richtigen Dinge für dich? Oder wünschst du dir eine Veränderung? Schau einfach, was du reduzieren kannst, um mehr Zeit dafür zu machen, wonach dir wirklich ist.

Achtsamkeit spielt auch hier also eine Rolle. Es ist eben wichtig, auf sich selbst zu hören und immer wieder ein Gespräch mit sich selbst zu führen. So kann man immer erneut überprüfen, wofür man jetzt Zeit hat und wo will man vielleicht mehr oder weniger Zeit investieren. Ich möchte immer noch öfter mehr Zeit am Tag haben, aber die Ausrede “Ich habe keine Zeit” hab ich so gut wie verlernt. Viel öfter sage ich lediglich “Dafür habe ich keine Zeit” und es ist OK so. Es es ist auch tolles Gefühl und kräftigt das Selbstwert, so bewusst über die eigene Zeit entscheiden zu können, oder?

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